Fasten ist eine jahrtausendealte Praxis, die in vielen Kulturen und Religionen auf der ganzen Welt praktiziert wird. Die Geschichte des Fastens reicht bis in die Antike zurück. Bereits in Griechenland und Ägypten wurde es als Methode zur Reinigung von Körper und Geist angewendet. Auch im Buddhismus und Hinduismus sowie im Judentum und Christentum wird gefastet. Dort spielt Fasten eine wichtige Rolle als spirituelle Übung und zur Erreichung von innerer Reinheit. Im Laufe der Jahrhunderte wurde das Fasten sowohl als religiöse Praxis als auch als Heilmethode weiterentwickelt. Bis heute hat es nichts von seiner Bedeutung verloren.

antiker Arzt sitzt im Garten

Fasten in der Antike

Die ältesten Aufzeichnungen über das Fasten stammen aus dem antiken Griechenland und dem alten Ägypten. Die griechischen Ärzte Hippokrates und Galen empfahlen das Fasten als Mittel zur Behandlung verschiedener Krankheiten. Sie lehrten, dass die Reinigung des Körpers durch Fasten die Gesundheit wiederherstellen und Krankheiten heilen könnte.

Wer stark, gesund und jung bleiben will, sei mäßig, übe den Körper, atme reine Luft und heile sein Weh eher durch Fasten als durch Medikamente.

Hippokrates von Kos, griechischer Arzt

Auch im alten Ägypten war das Fasten eine häufige Praxis. Die Ägypter glaubten, dass Fasten den Körper von Giftstoffen reinigen und die Lebensenergie stärken könnte. Sie glaubten auch, dass das Fasten bei der spirituellen Entwicklung und Erleuchtung helfen könnte.

Fasten in den verschiedenen Religionen

Auch im Hinduismus und Buddhismus finden wir eine Tradition und Gechichte des Fastens. Es spielt eine wichtige Rolle als spirituelle Praxis. Hindus praktizieren Fasten als Teil ihrer religiösen Rituale und um Reinheit und Askese zu erreichen. Buddhistische Mönche praktizieren regelmäßiges Fasten als Teil ihres spirituellen Pfades. Sie wollen dadurch die Kontrolle über ihre Sinne erlangen und sich von den materiellen Bedürfnissen des Körpers lösen.

Im Judentum wird das Fasten als Mittel zur Buße und zur Reue praktiziert. An bestimmten Feiertagen wie Jom Kippur wird ein vollständiges Fasten von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang praktiziert, um die Sünden des vergangenen Jahres zu bereuen und um Vergebung zu bitten.

Auch im Christentum spielt das Fasten eine wichtige Rolle als Mittel zur Reinigung von Körper und Geist. Während der Fastenzeit vor Ostern verzichten Gläubige traditionell auf bestimmte Speisen oder Genussmittel, um sich auf das Leiden und die Opferbereitschaft Jesu Christi zu besinnen.

In der Bibel finden wir viele Erzählungen und Hinweise auf die Geschichte des Fastens. Dort lesen wir, wie die Menschen in der Zeit des Alten und des Neuen Testaments gefastet haben. Wir erfahren auch, welche Auswirkungen das Fasten und Beten auf das Leben einzelner Menschen, auf Gruppen und ganze Völker hatte.

Renaissance des Fastens im 20. Jahrhundert

Die Geschichte des Fastens reicht bis in unsere Zeit. Anfang des 20. Jahrhunderts erlebte das Fasten eine Renaissance als Behandlungsmethode zur Reinigung des Körpers und zur Förderung der Gesundheit.

In Europa entwickelte der österreichische Arzt Dr. Franz Xaver Mayr die Mayr-Kur, eine Fastenkur basierend auf der Idee, dass eine gesunde Verdauung und ein sauberer Darm die Grundlage für Gesundheit und Wohlbefinden sind. Die Mayr-Kur beinhaltet eine strenge Diät, die den Körper entgiftet und die Verdauungsorgane reinigt.

Der deutsche Arzt Otto Buchinger erforschte in den 1920er Jahren das Heilfasten als Methode zur Behandlung von Krankheiten wie Diabetes, Rheuma und Herzbeschwerden. Er entwickelte die bekannte Buchinger-Methode, bei der eine Fastenkur mit einer speziellen Flüssigkeitsdiät kombiniert wird. Die Buchinger-Methode wurde später auch von anderen Ärzten und Kliniken übernommen, weiterentwickelt und wird bis heute von vielen Menschen angewendet.

Auch wir fasten nach Dr. Buchinger bei unseren Fastenzeiten, weil wir es als schonende und zugleich wirksame Methode erlebt haben. Dr. Buchinger wusste auch um die Kraft des Gebets während des Fastens.

Die Praxis des Fastens in der heutigen Zeit

Auch in der alternativen Medizin und Naturheilkunde hat das Heilfasten einen festen Platz. Zahlreiche Heilpraktiker und Therapeuten empfehlen Fasten als Mittel zur Entgiftung, Gewichtsabnahme und Stärkung des Immunsystems. Das Heilfasten wird oft in Kombination mit Bewegung im Freien, spirituellen Übungen und Entspannungszeiten empfohlen, um Körper, Geist und Seele in Einklang zu bringen.

Heute gibt es verschiedene Formen des Fastens, die je nach individuellen Bedürfnissen und Zielen gewählt werden können. Neben dem klassischen Heilfasten ohne feste Nahrung gibt es auch das Saftfasten, bei dem nur Säfte und Brühen konsumiert werden. Es gibt das Intervallfasten, bei dem bestimmte Essenszeiten eingehalten werden. Manche Menschen praktizieren auch das Wasserfasten, bei dem es nichts zu essen und ausschließlich Wasser zu trinken gibt. Diese extreme Form des Fastens sollten nur erfahrene Fastende ausprobieren, die wissen, was sie tun.

Weniger ist oft mehr

Im Laufe der Geschichte des Fastens hat es sich zu einer anerkannten Methode der Gesundheitsvorsorge und Krankheitsprävention entwickelt. Viele Menschen entscheiden sich für eine Fastenkur, um ihren Körper zu reinigen, ihre Gesundheit zu verbessern und sich von alten Gewohnheiten zu lösen. Fasten kann auch dazu beitragen, den Blick auf die eigenen Ernährungsgewohnheiten zu schärfen und neue, gesunde Routinen zu etablieren.

In einer Welt, die von Überfluss und Konsum geprägt ist, bietet das Fasten eine Möglichkeit, bewusster und achtsamer mit dem eigenen Körper umzugehen. Es erinnert uns daran, dass weniger oft mehr sein kann und der wahre Luxus im Verzichtenkönnen besteht.


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